Das Opfer – Täter Profil ist im allgemeinen immer gleich, es gibt nur sehr wenige Ausnahmen. Das Opfer ist meistens immer der vermeintlich Schwächere, während der Täter der Stärkere ist. Was einer gewissen Logik entspricht. Ein 1.60 m großer Mensch würde bestimmt nicht versuchen einen über 2 m Großen anzugreifen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Aber was viel interessanter ist, wann wird man zu einem Opfer und wann zu einem Täter. Wenn ich angegriffen werde, aus welchem Grund auch immer, bin ich ein Opfer. Ist das wirklich so oder habe ich diese Opferrolle irgendwie provoziert. Unbewusst natürlich, sonst wäre ich ja ein Täter, oder??? Der Angreifer sucht sich sein Opfer bewusst aus, wie ein Raubtier seine Beute, warum? Das ist ganz einfach, er will kein Risiko eingehen und auf jeden Fall gewinnen. Warum werde ich eigentlich zu einem Opfer? Sieht er es mir an? Die Antwort lautet ganz einfach und schlicht, Ja. Die meisten Opfer schlüpfen von Anfang an in ihre Rolle, sie sind meist schüchtern, zurückhaltend und wirken sehr unsicher in ihrem Verhalten. Wer kennt das nicht, es ist Nacht und man nimmt eine Abkürzung durch den Wald. Keinem ist wirklich wohl bei so einem Gedanken, oder? Was passiert in den meisten Fällen, es fängt damit an, das man seine Aufmerksamkeit erhöht, man glaubt nach kurzer Zeit Geräusche wahrzunehmen, dann fühlen sich die Meisten schon verfolgt. Der Puls steigt an, man bekommt Angst. Der Schritt wird zwangsläufig schneller und in den Meisten bricht jetzt eine Art Panik aus. Viele fangen jetzt an zu laufen und haben nur noch das Ziel vor Augen (das Ende des Waldes). Ab jetzt sind sie schon Opfer, Opfer ihrer eigenen Angst. Und wenn jetzt wirklich jemand im Wald einem auflauert, ist es wirklich fast unmöglich sich zu wehren. Viele würden jetzt in die so genannte Angststarre (Todstellreflex) verfallen. Durch den Schreck krampfen sich alle Muskeln im Bruchteil einer Sekunde zusammen und man verliert buchstäblich die Kontrolle über seinen Körper. Eine wirkliche Verteidigung ist jetzt schon fast unmöglich. Und wer kennt das nicht, man braucht bestimmt auch noch einige Sekunden, bis man sich im wahrsten Sinn des Wortes von diesem Schreck erholt hat. Das weiß dummerweise jeder Täter, auch ohne jahrelang Psychologie studiert zu haben und er nutzt diese Zeit sehr gut aus, um seinen Angriff zu führen. Er spielt mit der Angst der Opfer und kontrolliert sie so. Es bedarf jahrelangen intensiven Trainings, um solchen Situationen mit der richtigen Reaktion zu begegnen, ich meine damit weniger spezielle Kampftechniken, sondern die Kontrolle der eigenen Angst und dem damit verbundenen Todstellreflex. Aber wie kann man sich der Opferrolle entziehen? Es gibt da einige Verhaltensregel die einem dabei helfen. Treten Sie nach Möglichkeit immer souverän auf. Eine natürliche Körperhaltung signalisiert den Anderen eine gewisse Lässigkeit (man ist cool), nicht zu verwechseln mit arrogant und überheblich, das wiederum provoziert und das will man ja gerade vermeiden. Blickkontakt ist wichtig, nicht gleich verlegen wegschauen das signalisiert Schwäche. Aber auch nicht stundenlang zurückstarren, das provoziert nur Sprüche wie „was glotzt du denn so blöde, willst mich anmachen“.

Man sollte sich auch nicht zu auffällig kleiden, um nicht aus dem Rahmen zu fallen, es sei denn, man will unbedingt im Mittelpunkt stehen. Was durchaus auch ein Vorteil sein kann, denn es zeigt Psychische Stärke. Jeder Mensch hat seine eigenen Stärken und Schwächen und wenn er sie erkannt hat, kann er sie für sich nutzen und wird nicht so schnell zu einem Opfer.

Kann ich aber auch zu einem Täter werden, durch mein Wissen und Können was ich in mir trage? Ich denke schon. Viele Kampfkünstler könnten einem Provokateur aus dem Weg gehen, machen es aber nicht. Weil sie ihre Meinung mit aller Macht durchsetzen wollen, denn sie sehen sich im Recht. Sie Provozieren den anderen (meist ganz unbewusst), und sie lassen sich damit bewusst auf einen Kampf ein, denn sie sehen sich ja mit ihren Kampftechniken im Vorteil. Sind sie den jetzt noch Opfer(der andere fängt ja meist mit der Körperlichen Auseinandersetzung an) oder sogar zum Täter geworden, da sie ja irgendwie im Vorteil sind. Gerade vor Gericht ist man als Kampfkünstler in sehr großer Gefahr, diesen Kampf zu verlieren. Richter und Anwälte gehen nämlich davon aus, das man als Kampfkünstler über ganz besondere WAFFEN verfügt und damit die Verhältnismäßigkeit zu Gunsten des Angreifers geht. Da wird dann aus dem Opfer ganz schnell ein böser Täter und es spielt gar keine Rolle mehr, das der Angreifer vorsätzlich in kauf nahm, sein Opfer zu verletzen oder sogar zu töten. Man mag zwar den Angriff des Täters unbeschadet überstanden haben, aber gegen die Unwissenheit eines Richters hat man dann meist verloren. Da kommen dann Äußerungen wie „Sie hätten ja dem Angreifer das Messer mit irgendeiner Hebeltechnik abnehmen können, so mit sanftem Mittel, wie die das bei der Polizei immer machen, davon habe ich nämlich auch gehört und das funktioniert ganz gut, wurde mir gesagt. Aber Ihnen schien es Spaß zu machen, Ihre gefährlichen Techniken mal so richtig einsetzen zu können. Oder warum mussten Sie Herrn...X....das Knie zerschmettern, und ihm den Kiefer dreimal brechen, ah ich lese hier gerade, Sie haben ihm ja auch noch das Nasenbein gebrochen. Oh, sogar ein zweifacher Bruch, lese ich hier in der Krankenakte. Sie mögen also Gewalt? Herr....Y....,? Nein Frau Richterin, das war ganz anders.

Sie brauchen mir nichts zu erklären Herr .....Y.......Ich habe den Bericht vom Arzt vor mir liegen und kann mir sehr gut ein Bild darüber machen, wie diese Verletzungen zustande gekommen sind. Bei der Art und Umfang der Verletzung schließe ich eine reine Notwehrsituation aus, das müsste Ihnen ja bewusst sein Herr..Y......!“

Herr...Y...hatte dann aber doch noch Glück im Unglück, es hatten sich im nachhinein vier Zeugen gemeldet, die bestätigten, das Herr... Y..nur einnem Tritt und gleichzeitig mit nur zwei sehr schnell ausgeführten Ellenbogenstöße, seinen Angreifer außer Gefecht gesetzt hatte, BEVOR dieser am Boden lag. Was sehr wichtig war, denn wenn er am Boden gelegen hätte und dann erst die Schläge ausgeführt hätte, wäre er rechtskräftig verurteilt worden und für drei Jahre eingefahren. Trotz dieser Notwehrsituation gab es eine Bewährungsstrafe, aufgrund der so genannten Verhältnismäßigkeit. Was heißt das im Klartext, der Richter entscheidet, welche Technik ich gegen einen Angriff benutzen kann, um nicht mit einer Freiheitsstrafe rechnen zu müssen. Überflüssig zu erwähnen, dass der Angreifer Herr..X....schon mehrere Jahre wegen schwerer Körperverletzung im Gefängnis war und nach seiner Genesung auch wieder dahin zurückkehren musste. Und als krönender Abschluss noch einmal die Frau Richterin: „Herr...Y...Seien Sie versichert, noch mal kommen Sie damit nicht durch, ich behalte Sie im Auge“.

Es ist schon eine besondere Beziehung zwischen Opfer und Täter, wenn man das mal so als Ganzes sieht.

Und was lehrt uns das: Selbstverteidigung ist ein sehr komplexes Thema, nach dem Kampf, ist eigentlich vor dem Kampf. Immer eine Gradwanderung zwischen Recht und Unrecht.