Waffen

 

Wing Chun war ursprünglich eine Kampfkunst ohne Waffen. Doch schon im späten 17. Jahrhundert erweiterten Wong Wah Bo (Schüler des Shaolin-Mönchs Ji Sin) und Leung Yee Tai (Schüler des Ehemannes der Stilgründerin Yim Wing Chun) den Kung-Fu-Stil um 2 Waffenformen:

Beide konnten gut mit diesen Waffen umgehen und passten die Übungen und Formen den Idealen von Wing Chun an. So wurde zum Beispiel in die Langstock-Form der Aspekt der Zentrallinie eingebracht.

Dies ist allerdings historisch nicht belegbar.

 

Blankwaffe

 

 

Eine Blankwaffe ist eine Waffe die Ihre "Antriebskraft" aus dem direkten Einsatz von Muskelenergie bezieht. In einigen Definitionen werden zu den Blankwaffen auch Waffen gezählt, bei denen gespeicherte Muskelkraft die Energie liefert (Beispiele: Pfeil und Bogen, Armbrust).

Zu den Blankwaffen gehören alle Klingenwaffen, die über ein scharf und spitz geschliffenes Stück Metall (Klinge) als wirksames Element verfügen. Der Griff einer Klingenwaffe, so sie mit der Hand geführt wird, heißt Heft, bei Säbel, Schwert, Degen, Rapier und Florett Gefäß. Ist die Klinge an einer langen Stange (Schaft) befestigt spricht man von Stangenwaffen. Bei Klingenwaffen sind Heft und Schaft meist axial angeordnet. Zur Jagd verwendete Klingenwaffen werden häufig kalte Waffen genannt. Die Klingenwaffen werden üblicherweise in Hiebwaffen und Stichwaffen unterteilt.

Weitere Blankwaffen sind die Schlagwaffen, unter denen sich der Streitkolben, verschiedene Formen der Beile und Äxte, der Morgenstern und die Spielarten der Keule zusammenfassen lassen.

 

 

Hiebwaffe

 

Eine Hiebwaffe ist eine Waffe, bei der mit einer Schneide die Kraft des Schlags genutzt wird. Sie wirkt nicht durch Einstechen, sondern durch die Schärfe der Klinge. Sie gehört zu den so genannten Blankwaffen, die mit der Muskelkraft des Besitzers geführt werden. Am Bügel ist meist ein Faustriemen befestigt, der verhindern soll, dass die Waffe im Handgemenge verloren geht.

Die Übergänge zwischen den Hieb- und den Stichwaffen sowie den Schlagwaffen sind oft fließend, da beispielsweise ein Säbel oder ein Schwert sowohl zum Hieb oder Schlag gegen einen Gegner als auch zum Stechen eingesetzt werden kann. Eine Hellebarde und viele andere Waffen verbinden sogar die verschiedenen Funktionen dadurch, dass sie aus mehreren Klingen zusammengesetzt sind. Auch eine typische Schlagwaffe wie der Streitkolben kann mit Klingen versehen sein und so als Hiebwaffe eingesetzt werden.

 

Stichwaffe

 

Pariser Stoßdegen, entstanden in Frankreich um 1750

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Pariser Stoßdegen, entstanden in Frankreich um 1750

Eine Stichwaffe ist eine Waffe, welche zu einem Punkt hin spitz zuläuft und es dem Angreifer erlaubt, punktgenau in einen Körper einzustechen. Sie gehört zu den so genannten Blankwaffen, die mit der Muskelkraft des Besitzers geführt werden.

Wie eine Hiebwaffe kann eine Stichwaffe auch eine Schneide haben. Die Übergänge zwischen den Hieb- und den Stichwaffen sind oft fließend, da beispielsweise ein Säbel sowohl zum Schlag gegen einen Gegner als auch zum Stechen eingesetzt werden kann. Selbst typische Stichwaffen, wie etwa das Bajonett, existieren in verschiedenen Ausführungen, die nicht selten auch den Einsatz als Hiebwaffe erlauben. Eine Hellebarde und viele andere Waffen verbinden sogar die verschiedenen Funktionen dadurch, dass sie aus mehreren Klingen zusammengesetzt sind.

 

Dolch

 

 Moderner Dolch

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Moderner Dolch

Der Dolch (Lat. dolo) ist ein kurzes, meist zweischneidiges Messer, bzw. eine Stichwaffe mit symmetrischem Griff. Er ist, anders als Degen, Säbel und Florett, nicht zum Fechten geeignet, kann aber als zweite Waffe - z. B. als Klingenbrecher - im Kampf zum Einsatz kommen. Im Gegensatz zum einfachen Messer, das mehr zum Schneiden ausgelegt ist, ist der Dolch zum Stechen konzipiert. Da Dolche zweischneidig sind, ist der Schneidenwinkel pro Schneide doppelt so groß wie der eines Messers mit vergleichbarer Schneidenbreite, also stumpfer. Aus diesem Grunde eignen sich Dolche weniger für Schneidarbeiten. Zudem sind Dolche auf Grund ihrer Verwendung als Stichwaffe meist dicker als Messer mit der gleichen Schneidenbreite, um mehr Stabilität zu erreichen. Die Stahlwahl und die geringere Härte zum Zweck der größeren Flexibilität tun ihr übriges, um die Schneidleistung zu verringern.

Bei den Grundformen lassen sich Dolche grundsätzlich in 2 Formen unterscheiden: Zum einen solche mit linsen- oder rautenförmigem Querschnitt (mit oder ohne Hohlkehle) und zum anderen Dreikantklingen, jeweils mit, partiell oder ohne Hohlschliff. Erstere sind noch zum Schneiden geeignet, letztere sind stabiler und konnten gegen leichtere Rüstungstypen eingesetzt werden.

 

Messer

Als Messer bezeichnet man die Kombination aus einem Griff (auch: Heft) und mindestens einer einschneidigen Klinge.

Sehr unterschiedliche Ausführungen können der Griff und die Klinge je nach Verwendungszweck haben. Messer grenzen sich wegen ihrer geringeren Größe der einschneidigen Klinge von den Dolchen, Schwertern und Säbeln und des kleineren Griffes wegen von Stangenwaffen, z.B. Speeren, Lanzen und Piken ab.

 

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Geschichte

Außer ihrem ursprünglichen Verwendungszweck als Stich- und Hiebwaffe und Schneidewerkzeug entwickelten sich einige Messertypen zu Multifunktionswerkzeugen mit mehreren Klingen, Sägen, Zangen und anderen mehr oder weniger nützlichen Teilen.

Ein Messer kann auch eine gezahnte Schneide besitzen, es wird jedoch aus einem Schnittwerkzeug durch Schränkung der Zähne ein zerspanendes Sägewerkzeug. Es kann bei einem Messer auch die Fehlschärfe mit einer Zahnung versehen sein.

Die ersten Werkzeuge mit Messerfunktion waren aus Silex geschlagene Steinklingen. Die Klingenkanten besitzen glasartige Schneidequalität; sie wurden bereits in der Altsteinzeit hergestellt. Schäftungen sind aus dieser Zeit nicht erhalten geblieben, die ältesten Funde stammen bislang aus der Jungsteinzeit. In der Bronzezeit stellte man Messer zunächst aus Bronze, während der Eisenzeit aus Eisen her, sie waren sowohl Werkzeug als auch Waffe. Etwa 90 v. Chr. wurde das Messer im alten Rom, als Essgerät bei Tisch gebräuchlich.

 

 

Klassisches Norse-Messer - Foto: Uwe Kils

Aufbau eines Messers

Ein einfaches Messer besteht aus einer Klinge, einem Griff und dem dazwischen liegenden Handschutz.

Die Klinge besitzt eine Schneide, eine Spitze, auch Ort genannt, und die gegenüberliegende Seite der Schneide, Rücken - genannt. Die Klinge wird mit dem Erl am Griff befestigt. Die Verdickung am Griffende wird als Knauf bezeichnet, wobei auch die Begriffe Beschlag, Griffniet, Klingenspiegel, Pommel oder Stifte verwendet werden.

Bei der Bauart ohne Knauf ist der Erl die Verlängerung der Klinge als Flacheisen, der Griff besteht dann aus 2 Griffschalen, die (meist) aufgenietet werden.

Das Ricasso ist der Teil zwischen Griff (bzw. Parierstange) und der Schneide, der nicht geschliffen ist. Es wird auch Fehlschärfe genannt.

Arten

Klappmesser

Bei Klappmessern wird die Klinge zwischen zwei Wangen eingelegt, sie kann mittels Daumendreh oder Fingerzug aktiviert werden. Auch kann auf dem Messerrücken eine Sperre zur Messerverriegelung gelöst werden. Da der Schwachpunkt in der Drehachse der Klinge liegt, sind Klingenlängen bis 10 cm üblich (in letzter Zeit kommen aber auch verstärkt sehr große Klappmesser auf den Markt).

Wegen ihrer Kompaktheit gehören Klappmesser zu den meist verkauften. Berühmt sind Al Marfolding S.E.R.E, SOG Tomcat, Gerber-Messer, Klappmesser der amerikanischen Firma CRKT (Columbia River Knife Tool), Opinel aus Frankreich, Böker-Messer aus Deutschland.

 

Fixiermesser sind Klappmesser mit feststellbarer Klinge.

Springmesser

 

Bei Springmessern wird die Klinge mittels Feder- oder Wurfkraft aus dem Heft in einem Bogen nach vorne geschleudert und dort verriegelt. Bei so genannten OTF (out of the front)-Messern wird die Klinge durch Federkraft linear aus dem Griff geschleudert. Bei schlecht oder unsauber verarbeiteten Exemplaren ist die Verriegelung recht unsicher, während sie bei Qualitätsmessern recht wirksam ist. Der Mechanismus aller Springmesser ist aber recht schmutzempfindlich. Oft werden Springmesser fälschlich als "Stiletto" oder gar als Stilett bezeichnet. Ein Stilett ist ein Dolch mit Dreikant- oder Vierkant-Klinge .

Springmesser, ob mit nach vorne oder seitwärts herausspringender Klinge, sind in Deutschland grundsätzlich verboten.

Hiervon ausgenommen sind Springmesser, wenn die Klinge seitlich aus dem Griff herausspringt und der aus dem Griff herausragende Teil der Klinge

•          höchstens 8,5 cm lang ist,

•          in der geometrischen Mitte mindestens eine Breite von 20% der Klingen-Länge aufweist,

•          nicht zweiseitig geschliffen ist und

•          einen durchgehenden Rücken hat, der sich zur Schneide hin verjüngt.

Der Besitz ist lediglich Personen ab 18 Jahren erlaubt.

Das Führen bei öffentlichen Veranstaltungen ist immer verboten.

Balisong-Messer

 

 

Geöffnetes Balisong

 

 

Halbgeöffnetes Balisong

 

 

Geöffnetes Balisong mit Feuerzeug

Das Balisong oder "Butterflymesser" wurde auf den Philippinen als Fischermesser entwickelt. Die dortigen Fischer benötigten ein Arbeitsmesser, dessen ruhende Klinge bei einem Sturz auf dem schwankenden Boot ungefährlich war. Die Klinge des Balisongs ist im Ruhezustand vollkommen in den beiden Griffteilen eingeschlossen und kann daher niemanden verletzen. Der simple und schmutzunempfindliche Öffnungsmechanismus gestattet es zudem, das Messer beim Arbeitseinsatz mit einem Schwung aus dem Handgelenk schnell einsatzbereit zu machen, was den Nachteil der instabilen Konstruktion für ein Arbeitsmesser ausgleicht. Durch ihre überproportional beobachtete Verwendung im Bereich der Jugendkriminalität sind sie derzeit als verbotener Gegenstand in Deutschland eingestuft.

Balisongs haben in der öffentlichen Wahrnehmung ein „Schurken-Image“, das sie gerade für Bedrohungen oder Überfälle attraktiv macht. Die charakteristischen Öffnungs- und Schliesstechniken tragen zu ihrer einschüchternden Wirkung bei. Für den tatsächlichen Einsatz als Stichwaffe sind Balisongs aber eher ungeeignet: Aufgrund der auffälligen (und als so bedrohlich empfundenen) Öffnungstechnik sind verdeckte Messerangriffe nur sehr schwierig durchzuführen. Auch in einem offenen Messerkampf sind Balisongs gegenüber anderen Messertypen im Nachteil, da sie aufgrund ihrer Konstruktion schnelle Griff- und Handwechsel erschweren. Aufgrund der bei billigen Exemplaren häufig sehr mangelhaften Verriegelung ist ein kämpferisches Zustechen eher schwierig.

Balisongs sind seit der Einführung des neuen Waffengesetzes in Deutschland am 1. April 2003 und mit Auslaufen der Übergangsregelung am 31. August 2003 verbotene Gegenstände. Somit ist jeglicher Umgang mit ihnen, selbst das Aufbewahren zu Hause, verboten, nicht zuletzt, weil viele Jugendliche auf Schulhöfen mit ihren Balisongs herumfuchtelten und sich und Umherstehenden dabei schwere Verletzungen zufügten.

Fallmesser

Bei Fallmessern fällt, wie der Name sagt, die senkrecht verborgene Klinge durch Schwerkraft oder Schleuderbewegung aus dem Griff und verriegelt. Durch teilweise großes Spiel der Klinge auf der Achse ebenfalls sehr unsicher. Diese Messer sind seit der Novelle des Waffengesetzes vom 1. April 2003 in Deutschland verboten. Im Zweiten Weltkrieg wurden Fallmesser wegen ihrer Zuverlässigkeit gern von deutschen Fallschirmjägern verwendet. In ähnlicher Bauart wurde es auch bei den Fallschirmjägern der NVA, wie den Fallschirmjägern der Bundeswehr verwendet. Bei den Luftlandesoldaten der Bundeswehr ist es auch heute noch im Einsatz.

Feststehende Messer

 

 

Taktisches Messer "Spike" mit Tanto-Klinge der Firma "Cold Steel"

Bei feststehenden Messern sind Klinge und Griff fest miteinander verbunden, im Gegensatz zu Klappmessern. Dadurch können sie beachtliche Querkräfte vertragen. Unter den feststehenden Messern befinden sich auch die längsten Messertypen, wie z.B. Bajonette von über 50 cm. Durch die unveränderliche Länge können sie zum Teil schlecht getragen oder verborgen werden. Beim Tragen sichert und schützt eine Scheide die Schneide. Da es keine beweglichen Teile gibt, die einem Verschleiß ausgesetzt wären, ist es die robusteste Messerausführung. Außerdem ist bei einem feststehenden Messer nicht die Gefahr gegeben, daß die Klinge wie bei einem Klappmesser bei extremen Belastungen aus dem Schloss bricht.

Bekannte Hersteller: Puma (D), Böker (D), Al Mar (USA), Serie SOF, Buck (USA), Fällkniven (Schweden)

Dolche

Dolche sind schmal und lang, Klingenlänge 8 bis 12 cm, sie haben beidseitig eine scharfe Schneide. Sie eigenen sich als Kampfmesser, und weniger als Allgemeinmesser. Diese Klingenform ist deshalb eher selten, und wenige Firmen stellen sie noch her, z. B. Colt (Commander), Gerber (Applegate-Fairbairn), Col. Applegate. Als Film-, Show- und Sammlermesser sind teure Exemplare erhältlich.

Siehe auch: Kampfmesser

Arbeitsmesser

Die Gruppe der Arbeitsmesser hat eine große Spannweite, sie dienen z.B. zur Jagd, im Weinberg, auf dem Schiff, im Wald, zur Bearbeitung von Holz oder zur Rettung.

Die französische Firma Opinel stellt eine Spezialserie von Messern zur Arbeit in Weinbergen her. Klappbar mit schmalen Klingen unterschiedlicher Längen, wahlweise je nach Einsatz mit rostfreien oder nicht rostfreien (leicht zu schärfenden) Klingen und dem charakteristischen Drehring zur Klingenarretierung.

 

 

 

Hippe mit Holzgriff

Die Hippe ist ein Messer für Arbeiten im Gartenbau, der Landwirtschaft und in Forstbetrieben.

Schnitzmesser

Das Schnitzmesser dient der Holzbearbeitung (dem Schnitzen) und ist Teil eines Satzes von Schnitzeisen (die umgangssprachlich auch allesamt Schnitzmesser genannt werden).

Jagdmesser

Die Hauptaufgabe von Jagdmessern ist das Aufbrechen (Entfernen des Gescheide (Eingeweide)) erlegter Tiere. Da der Jäger oft nur ein Messer mitführt, muss es sich auch zum Abfangen (Stich in die Brust, ins Herz) oder Abnicken (Stich in die Wirbelsäule am Schädel) von angeschossenem Wild eignen.

Beim Häuten ("aus der Decke schlagen") und zerlegen kommen meist dafür spezialisierte Messer (eigentlich wie beim Metzger/Schlachter) zum Einsatz.

Man kann mit einer kurzen Klinge genauer arbeiten. Das Jagdmesser hat deshalb eine Klinge von 8-14 cm. Stabile und rutschfeste Griffe, oft aus Hölzern oder Hirschhorn, werden eingesetzt. Es gibt klappbare Jagdmesser, die über mehrere eingesetzte Klingen oder sog. Wechselklingen verfügen, die je nach Gebrauch ausgetauscht werden. Bekannte Firmen in Deutschland sind: Puma, Herbertz, Böker.

Fahrtenmesser

Unter diesem Begriff war und ist teilweise noch ein bestimmter Messertyp verbreitet, der im Dritten Reich für die Hitlerjugend entworfen und eingeführt wurde. Die Grundform ist dabei an das militärische Bajonett des Gewehrs 98k der Wehrmacht incl. einer Metallscheide mit Koppelschuh angelehnt. Dabei war die Verletzungsgefahr der Klinge im Vergleich zum Bajonett allerdings durch einen breiten und flachen Rücken und eine eher stumpfe Spitze wesentlich verringert. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten verschiedene deutsche Hersteller die vorhandenen Produktionseinrichtungen weiter und fertigten das Messer für Pfadfinder unter Ersetzung der NS-Symbolik, am häufigsten durch die Pfadfinder-Lilie, aber sonst weitgehend unverändert weiter. Die grobe äußere Form, insbesondere die der Klinge, und der Scheide war auch Vorbild für das alte Feldmesser der deutschen Bundeswehr. Das ehemals sehr verbreitete Messer wird von einigen Herstellern bis heute weitgehend unverändert gefertigt, verliert aber zunehmend an Verbreitung, vermutlich weil die Form der Klinge und des Griffes den meisten modernen Konkurrenten ergonomisch unterlegen ist und die Stabilität der Konstruktion durch einen sehr kurzen verdeckten Erl eher begrenzt ist. In den letzten Jahren reagieren einige Hersteller mit der Produktion von Messern, die das traditionelle Griffdesign und teilweise das der Scheide mit moderneren Drop-point- oder sogar Bowiemesserklingen kombinieren.

Der Begriff "Fahrtenmesser" wird jedoch im weiteren Sinne noch verschiedentlich für Messertypen aus den Bereichen der Jagd- und Waldmesser u.ä. benutzt.

Schiffsmesser

Schiffs- oder Matrosenmesser sind sehr einfach gehaltene Starrmesser, früher ausgestattet mit einer starken Sägeklinge zum Zerschneiden von Tauwerk. Traditionell war der Griff aus Kork, heute häufig aus Kunststoff mit Hohlraum. Der Sinn war das Untergehen zu vermeiden. Zusätzlich konnte man sie so als provisorischen Schwimmer beim Angeln nutzen. Eine Unterabteilung sind Seglermesser, sehr speziell mit Schäkelöffner und feststellbarem Marlspieker (Stahldorn) zum Öffnen von Knoten.

Waldmesser

So genannte Waldmesser werden in Schweden, Norwegen und Finnland hergestellt. Es sind Gebrauchsmesser für alle Gelegenheiten mit stabilen Klingen und Griffen aus Holz oder mit Gummi überzogenen Kunststoff-Griffen. Durch Faltung der Klingenstähle in mehrere Lagen sehr scharfe und schnitthaltige Messer. Bekannte Hersteller: Eka aus Eskilstuna, Schweden, Helle aus Norwegen, Marttiini aus Rovaniemi, Finnland.

Kurz erwähnt seien Whittlin' Jack, Schnitzmesser zur Holzbearbeitung, eher mehrschneidige Beitel mit groben Griffen.

Rettungsmesser

Rettungsmesser sind Spezialmesser zur Suche und Bergung von Opfern in Notfällen mit kurzen, stabilen Klingen, teilweise Sägeschliff, akustischen und optischen Hilfen (kleinen Leuchten und/oder Pfeifen), Klingen starr oder auch als Klappversion. In viele Fällen besitzen sie eine abgerundete Spitze, um zu bergende Opfer nicht zu verletzen oder sind bei den sogenannten Gurtschneidern gleich so konstruiert, das die Schneide vertieft im Messer liegt und nicht versehentlich erreicht werden kann. Ergänzt werden diese Messer meist durch einen Schlagdorn, um Scheiben einschlagen zu können und so als Nothammer zu fungieren.

Teppichmesser

Messer mit meistens dreh- und wechselbarer Klinge zum Schneiden von Teppichen. Auch Cutter genannt (s.u.)

Cutter

Im Haushalt und zum Basteln benutztes Messer mit auswechselbarer Klinge, die zur Benutzung aus dem Gehäuse ausgefahren wird. Ist die benutzte Schneide stumpf geworden wird die Klinge nicht nachgeschärft sondern es wird die ursprüngliche Schneidleistung durch abbrechen der vordersten Klingen-Abschnitte wiederhergestellt.

Bei den Flugzeug-Anschlägen vom 11. September 2001 u.a. auf das World Trade Center wurden von den Terroristen solche handelsüblichen Cutter benutzt.

Tauchermesser

Tauchermesser sind Spezialmesser zum Gebrauch im und unter Wasser unter härtesten Bedingungen. Absolut rostfreie Stähle, großer Wellenschliffbereich auf einer Klingenseite zum Durchtrennen von Tauwerk und Netzen, ein eingeschliffener Haken zum Durchtrennen von dünnen Netzen und Angelschnüren, auch nass absolut rutschfeste Griffe und möglichst die Fähigkeit zum Aufschwimmen bei Verlust sowie stabilste Bauweise zeichnen sie aus. Einige moderne Modelle besitzen eine abgeflachte Klingenspitze, um versehentliches Durchstechen der Tauchausrüstung zu vermeiden.

Meistens haben Tauchermesser heute einen Kunststoffgriff und eine Kunststoffscheide.

Bowiemesser

 

 

Typisches Bowiemesser

Bowie-Messer sind eine Art von zuerst in Amerika verbreiteten, schweren Arbeits- und Kampfmessern. Sie gehören zu den Legenden des Wilden Westens und sind nach dem Trapper James Bowie benannt.

Oft dekorativ verziert, dienen sie teilweise als Schmuckstück und Statussymbol des Eigners. Als typisch gilt eine einschneidige Klinge, oft mit Entenschnabel- oder Pandurenspitze. Zwischen Klinge und Griff sitzt ein meist großes Parierelement aus Neusilber oder anderen Buntmetallen, die Griffschalen sind aufgenietet und aus Holz oder Hirschhorn. Bowiemesser können bis zu 50 cm lang sein.

Macheten

Eine Machete ist ein großes Buschmesser, siehe Machete.

Militärmesser

 

 

Das KM2000 der Bundeswehr

Militärmesser sind Spezialmesser für Militäreinheiten.

Faschinenmesser (Faschine = Reisigbündel) haben Eigenschaften von Macheten und Bajonetten. Sie haben die Länge von großen Bajonetten und sind auch zum Abschlagen von Zweigen und Ästen geeignet. Oft wurden die Klingen auch mit einer Sägezahnung versehen, einerseits um größere Äste zurechtschneiden zu können, aber hauptsächlich um faserige Materialien (wie z.B. Gurte) zu zertrennen. Die typische Tantoklinge des neuen KM 2000 wurde wegen ihrer enormen Bruchsicherheit gewählt. Zum Schutz vor Reflexionen bei taktischen Nachtoperationen und vor Korrosion wurde die Klinge schwarz beschichtet. Faschinenmesser sind oft eine Mischung aus Werkzeug und Waffe, sie wurden meistens von den Pionieren beim Bau von militärischen Objekten eingesetzt. Faschinenmesser können nicht nur wie ein Bajonett, sondern auch wie Kurzschwerter aussehen. Manche dieser Waffen, wie z.B. das Kurzschwert der französischen Armee aus dem Jahre 1832 (siehe Bild) hatten eher den Charakter eines Prestigeobjekts.

 

 

Französisches Faschinenmesser von Talabot aus dem Jahr 1832

Bajonette

Bajonett bezeichnet eine auf den Gewehrschaft aufsteckbare Stoßwaffe, siehe Bajonett.

Tumi

Tumi bezeichnet ein breites, aus Kupfer gefertigtes, Ritualmesser der altperuanischen Völker, siehe Tumi.

Weitere Unterarten

Rasiermesser

 

 

Rasiermesser

Rasiermesser bezeichnet ein extrem scharfes, aber auch sehr empfindliches Messer, das - wie der Name sagt - normalerweise zum Rasieren des Bartes verwendet wird, siehe Rasiermesser.

Tranchiermesser

Das Tranchiermesser oder auch Fleischmesser genannt wird in erster Linie zum Schneiden von Fleisch verwendet. Die Klingenbreite ist ca. 25 mm bis 30 mm. In der Länge sind sie handelsüblich von 150 mm bis 300 mm.

Küchenmesser

 

 

Frühstücksmesser

 

 

Küchenmesser; v.l.: Koch-, Brot-, Tomaten-, Schälmesser

Küchenmesser gibt es mit Klingen aus Stahl oder Keramik in verschiedenen Formen und Größen. Die Qualitätsunterschiede sind sehr groß und reichen von preiswerten gestanzten Klingen bis zu handgeschmiedeten Exemplaren. Fleischer benutzen weniger aufwendig gefertigte Messer als Köche. Die bedeutendsten Herstellerfirmen für Küchenmesser kommen aus Spanien, Portugal, Japan, Deutschland (Solingen) und in den letzten Jahren auch aus der Schweiz. Der bloße Aufdruck des Wortes Solingen sagt allerdings nichts über die Qualität eines Messers aus.

Von allen Messertypen sind es die aus der Gruppe der Küchenmesser, die in Deutschland (vermutlich aufgrund der hohen Verfügbarkeit) mit Abstand am häufigsten bei Körperverletzungs/Tötungsdelikten und Notwehrhandlungen Verwendung finden.

Das Allzweckmesser (Küchenmesser im engeren Sinne) dient als kleiner unentbehrlicher Helfer in der Küche und hat eine schmale Klingenform. Die Klinge aus Stahl kann zwischen 9 und 15cm lang sein und läuft im jedem Fall spitz zu. Das Allzweckmesser sollte handlich sein, damit Gemüse, Obst aber auch kleine Fleischstücke ideal geschnitten oder auch geschält werden können. Es darf rosten, aber nicht abstumpfen, und ist das meistbenutzte Haushaltsutensil. Das Allzweckmesser trägt je nach Region und Dialekt viele weitere Namen: Küchenpitter, Pittermesser, Hümmelchen oder Hümmeken, Kneipchen oder Kneibchen, Zöppken etc..

Das Kneipchen (von mhd. Kneip für Messer) ist ein kleines Küchenmesser (meist Schälmesser, Obstmesser oder Tomatenmesser etc.). Das englische Wort für Messer „knife“ geht ethymologisch auf Kneip zurück.

Ein Fischmesser ist lang und dünn; mit dieser Form kann ein Fisch fast restlos von Gräten befreit bzw. ausgenommen werden. Die Klinge ist ca. 3 cm breit und 15 cm lang. Bedingt durch diese Klinge ist das Messer sehr elastisch, so dass auch an schwer zugänglichen Stellen am Fisch herumgeschnitten werden kann. Die elastische Klinge erleichtert außerdem das Lösen der Filets von der Haut.

Ein Brotmesser hat eine lange, mit grobem Wellenschliff versehene Klinge. Wie der Name es schon verrät, kann damit Brot geschnitten werden. Die Länge der Klinge ermöglicht es, auch breite Brotlaibe durchzuschneiden. Die groben Rillen verhindern ein Ausflocken der Scheibe. Der Griff kann aus Holz oder Plastik bestehen. Es gibt unterschiedliche Formen, in den letzten Jahren werden Brotmesser vielfach in leichterer Form erzeugt, als Reaktion auf die Veränderung im Brotangebot. So sind heute leichte, luftige Brotsorten (Toast, Weissbrote) aber auch mit künstlichen Treibmitteln erzeugte Vollkornbrotsorten vorherrschend. Diese erfordern keine so starken Messer mehr, wie sie früher für Bauernbrotlaibe notwendig waren.

Ein Ausbeinmesser ist ein Messer, das für das Entfernen von Knochen und das Enthäuten von Fleisch oder Geflügel verwendet wird. Mit der schmalen, sehr kurzen und leicht gebogenen Klinge kann es gut entlang des Knochens geführt werden.

Ein Buttermesser ist ein Haushalts- oder Küchenmesser, dessen Klinge optimal für das Zerteilen und Streichen von Butter gestaltet ist. Die Stahlklinge ist breit, stabil, nicht zu lang und schlank zugeschliffen. Sie kann bei besseren Ausführungen leicht nach oben geschwungen sein. Die Schneide ist glatt, ohne Sägeschliff und nur mäßig scharf. Die Spitze ist abgerundet und kann bei hochwertigen Modellen auch etwas verbreitert sein. Der Griff kann aus verschiedenen Materialien wie Holz, Metall oder Kunststoffen, mit oder ohne Verzierung, bestehen; bei historischen Messern wurden auch natürliche Werkstoffe wie Perlmutt oder Elfenbein verwendet. Er ist lang und kräftig ausgeführt und gestattet so eine sichere Führung mit der ganzen Hand. Griff und Klinge sind in der Regel fest miteinander verbunden.

Ein Käsemesser ist ein mittellanges Messer mit Ausnehmungen (Löchern) an der Klinge. Diese erleichtern das Käseschneiden, vor allem von Weichkäsesorten. Diese, wie z. B. Brie, Camembert oder Romadur nehmen schnell eine klebrig-weiche Konsistenz an, wenn sie für einige Zeit nicht ausreichend gekühlt werden. Um ein Verkleben des Messers mit Käseresten zu verhindern, ist die Klinge nicht massiv und besitzt eben die genannten Ausnehmungen.

Eine Besonderheit ist das Parmesanmesser. Es dient eigentlich nicht dem Schneiden, sondern dem Spalten und Herausbrechen von Käsestücken aus einem großen Parmesanstück. Es hat einen sehr kurzen, aber massiven Griff und eine unscharfe Klinge.

Ein Schälmesser oder Tourniermesser ist ein recht kleines Messer mit gebogenen Klinge zum schälen von Obst und Gemüse.

Ein Obstmesser ist ein kleines Messer mit gerader, schmaler Klinge, um sowohl gerade Schnitte im Obst machen zu können, aber auch gebogene Schnitte z.B. um das Kerngehäuse bei einem gevierteltem Apfel entfernen zu können.

Ein Tomatenmesser hat im Unterschied zum Allzweckmesser eine Sägezahnung der Schneide und kann deshalb hervorragend zum Schneiden von Tomaten, aber auch anderem Gemüse verwendet werden. Durch die leicht nach oben, spitz zulaufende der zwischen 12- 15 cm langen Stahlklinge dringt das Messer mit einem leichten Winkel in das Schneidegut ein und verhindert so ein Zerdrücken desselben. Die Klingenbreite entspricht der des Allzweckmessers.

Ein Buntmesser (auch: Buntschneidemesser) hat keine gerade, sondern eine wellen- oder zickzackförmig profilierte Klinge. Man benutzt es um rohes oder gekochtes Gemüse und Obst dekorativ zu schneiden.

Wurfmesser

Prinzipiell kann man jedes Messer werfen. Aber Wurfmesser sind an die speziellen Anforderungen angepasst: Sie sind aus einem Material, das nicht bricht, auch wenn es gelegentlich gegen eine Mauer geworfen wird, also nicht aus sehr hartem Stahl, so dass sie sich beim Aufprall etwas verbiegen und leicht wieder gerade richten lassen. Außerdem ist die Schneide nicht scharf, um das Verletzungsrisiko zu minimieren, eine steile Spitze erleichtert das Eindringen in das Holz. Der Schwerpunkt ist etwa in der Mitte des Wurfmessers, damit es die gleichen Flugeigenschaften hat, egal ob es für den Wurf am Griff oder der Klinge angefasst wird. Wurfmesser unter 200g Gewicht werden von Profis nicht verwendet, da ihr Flug schwer zu kontrollieren ist.

In den USA werden schwere Wurfmesser bevorzugt, die oft vorderlastig und scharf sind. Dies wird darauf zurückzuführen sein, dass dort die Jagd mit Wurfmessern ein beliebtes Hobby war.

Taschenmesser

 

 

Handelsübliches Taschenmesser

Als typisches Taschenmesser bezeichnet man häufig ein Klappmesser mit ca. 8 cm langer Klinge und einem mit Holzschalen versehen Griff mit Messingbacken. Das wohl bekannteste Taschenmesser ist das Schweizer Taschenmesser.

Tapetenmesser

Messer zum Trennen von Tapetenrollen auf die gewünschte Länge. Zweischneidig, wobei die Schneiden relativ stumpf sind. Man faltet die Tapetenrolle an der gewünschten Stelle und reißt mehr als dass man durch die Tapete schneidet.

Faustmesser/Faustdolche

Bei einem Faustmesser wird die Klinge im 90°-Winkel zum Griff angebracht. Der Griff liegt also bestimmungsgemäß quer in der Handfläche, während die Klinge entweder zwischen Mittel- und Ringfinger oder Mittel- und Zeigefinger zum Vorschein kommt. Diese Bauform ermöglicht sehr kompakte Messer. Es gibt sie als sog. "Stoßdolche" mit Dolchklingen und als teilweise sog. "Eskimomesser" mit breiten Klingen in Skinner- oder Drop-pointähnlicher Form. Diese ermöglichen durch ihre Bauform ein besonders präzises und kraftsparendes Schneiden aus dem Handgelenk und ist deshalb bei Jägern, Kürschern u.ä. zum Aufbrechen , Abhäuten und Zerwirken sehr beliebt. Durch die Griffhaltung ist, insbesondere in Verbindung mit einer Dolchklinge, ein kräftiges Zustechen möglich, da sich die Kraft auf die Handfläche des Trägers verteilt und durch diese Trageweise ein Abrutschen in die Klinge ausgeschlossen werden kann.

Mit der Begründung, daß andernfalls ein Ausweichen durch Tätergruppen von den anderen, nunmehr ebenfalls verbotenen Messertypen zu erwarten wäre, sind Faustmesser seit der Novelle des Waffengesetzes vom 10. September 2004 in Deutschland verboten, lediglich Jägern und Kürschnern ist die fachliche Benutzung mit beantragter und erteilter Sondergenehmigung weiterhin erlaubt.

Trachtenmesser

 

 

Bayerisches Trachtenmesser mit verzierter Klinge

Trachtenmesser dienen als Bestandteil traditioneller Trachten mehr als Schmuckobjekt denn als Gebrauchsmesser oder Waffe.

technische Messer

In der Industrie und in Gewerbebetrieben werden im Herstellungs- und Bearbeitungsprozess von verschiedensten Werkstoffen technische Messer eingesetzt. Dabei werden vor allem Papiere, Textilgewebe und Bleche, aber auch Holz (Furnier) oder Kunststoffe (z.B. in Verpackungsautomaten) geschnitten. Diese Messer sind alle in Maschinen fest eingespannt, daher nennt man diese auch Maschinenmesser. Für Längsschnitte werden häufig runde Messer mit Duchmessern von 20 bis 600 mm eingesetzt, für Querschnitte dagegen gerade Messer von 40 bis 6000 mm. Herstellungszentren sind in Großbritannien Sheffield und in Deutschland Remscheid und Wuppertal